Giftschlangen stellen nur eine Minderheit unter allen Schlangen dar. Etwa 250 Arten gelten als gefährlich für den Menschen, also weniger als ein Zehntel aller Arten, und nur rund fünfzig sind potenziell tödlich. Man findet sie in 4 Familien: die Erdvipern (Atractaspididae, zum Beispiel die Maulwurfsotter), die Giftnattern (Elapidae – Kobras, Mambas, Seeschlangen, Taipane …), die Vipern (Viperidae – Vipern, Sandrasselottern, Klapperschlangen …), die alle giftig sind, und die Nattern (Colubridae – Zornnattern …), von denen nur ein Drittel giftig ist.
Das Gift dient in erster Linie dazu, die Beute zu töten und in gewissem Masse durch seine Wirkung auf die Zellen die Verdauung vorzubereiten, es kann aber auch der Verteidigung dienen. Um es zu injizieren, verfügen die Schlangen über ein spezielles Gebiss, das ein wenig wie eine Injektionsspritze funktioniert. Diese spezialisierten Zähne sind von einer Rinne oder einem zentralen Kanal durchzogen, durch den das Gift fliesst, das von besonderen Drüsen produziert wird. Die Art der Giftzähne unterscheidet sich je nach Familie.
Die Vipern besitzen das am weitesten entwickelte Gebiss. Die Giftzähne sind eingeklappt, wenn die Schlange ruht, und richten sich auf, wenn sie das Maul öffnet, was die Injektion ermöglicht. Sie sind mitunter beeindruckend gross (5 cm bei der Gabunviper!), was ein tiefes Eindringen des Gifts gewährleistet. Die Giftigkeit des Gifts variiert stark: Manche Vipern wie die Wiesenotter (Vipera ursinii) sind für den Menschen praktisch harmlos, während andere wie die Sandrasselottern unbehandelt in 90 % der Fälle tödlich sind.
Bei den Giftnattern (Elapidae) sind die Giftzähne starr und vorne im Maul angeordnet. Ihr Gift ist im Allgemeinen sehr wirksam und neurotoxisch. Zudem können einige Giftnattern wie die Speikobra ihr Gift auch mehrere Meter weit in Richtung der Augen des Gegners spritzen, was zu einer dauerhaften Erblindung führen kann.
Einige Nattern haben Giftzähne, die hinten im Maul sitzen.
Die Wirkungsweisen der verschiedenen Gifte sind vielfältig und können sich zudem kombinieren. Erstens können sie die Blutgerinnung beeinträchtigen, was innere Blutungen hervorrufen kann. Zweitens können sie das Nervensystem angreifen, vorübergehend oder dauerhaft. Häufig stirbt das Opfer durch Ersticken, wenn die Lähmung die Atemmuskulatur betrifft. Drittens kann das Gift die Blutgefässe und das Gewebe zerstören, bis zu dem Punkt, an dem das Gewebe buchstäblich bis auf den Knochen verdaut wird.
Unabhängig von der Art des Gebisses und der Wirkungsweise sind auch der Giftigkeitsgrad und die Wirkungsgeschwindigkeit des Gifts sehr unterschiedlich. Zu den Arten mit dem gefährlichsten Gift zählen der Australische Taipan und die Todesotter, zwei Giftnattern. Eine weitere Giftnatter, die Königskobra, kann ihr Opfer bereits nach 20 Minuten töten. Sie ist eine der wenigen Schlangen, die einen Elefanten töten können. Bei den Vipern führt der Biss der Sandrasselotter (Echis pyramidum) unbehandelt in 90 % der Fälle zum Tod und in 70 % der Fälle trotz Behandlung.
Die Behandlung eines Bisses erfolgt oft mit einem Gegengift (Antiserum). Doch dieses ist nicht ohne Risiken, vor allem wegen schwerer allergischer Reaktionen. Es gibt auch andere Massnahmen wie die lokale Wundversorgung, insbesondere wenn das Gift gewebezerstörend wirkt. Bei neurotoxischem Gift muss die Patientin oder der Patient zudem beatmet werden, bis die Atemfunktion vollständig wiederhergestellt ist.
Ausserdem sind Giftschlangen in der Lage, die Menge des injizierten Gifts zu steuern, und können einen Biss zufügen, der nur eine mechanische Wirkung hat, ohne einen einzigen Tropfen Gift.
Im Fall eines Bisses
Der Biss einer Giftschlange ist ein Notfall, doch Panik verschlimmert die Lage: Wer sich aufregt, dessen Herz schlägt schneller und verteilt das Gift rascher. Das Wichtigste ist, ruhig zu bleiben und sofort die Rettungskräfte zu alarmieren.
Im Fall eines Bisses – die richtigen Reflexe Entfernen Sie sich von der Schlange und bleiben Sie so ruhig wie möglich. Rufen Sie sofort die 144 (Notruf) und, für eine fachliche Beratung, Tox Info Suisse unter 145 (kostenlos, rund um die Uhr). Halten Sie die betroffene Person und die gebissene Stelle ruhig. Nehmen Sie Ringe, Uhr und enge Kleidung ab, bevor die Stelle anschwillt. Versuchen Sie niemals, die Schlange zu fangen: Ein aus der Ferne aufgenommenes Foto genügt, um sie zu identifizieren.
Was Sie niemals tun dürfen Legen Sie keine Abbindung (Garrot) an, schneiden Sie die Wunde nicht ein, versuchen Sie nicht, das Gift auszusaugen, tragen Sie kein Eis auf und geben Sie keinen Alkohol: Diese Handlungen verschlimmern die Verletzungen, ohne das Gift zu entfernen.
Zum Merken Ruhig bleiben, ruhigstellen, den Notruf 144 (und 145) anrufen, nichts einschneiden oder abbinden. Die Behandlung erfolgt, falls nötig, im Spital. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Notfallberatung.